Die Geschichte von Lacken und Farben

Farben und Lacke sind ein bedeutender Teil unserer Kulturgeschichte. Schon in prähistorischer Zeit haben Menschen mit Farben ihre Umgebung verschönert und Geschichten von der Jagd veranschaulicht. Forscher entdeckten die ältesten Felsmalereien in spanischen und französischen Höhlen. Sie sind rund 32.000 Jahre alt.

Stein ist beständiger als Papyrus. Die Ägypter wussten mit Farbe umzugehen und schrieben ihre Geschichte auf die Wände der Pyramiden. Betrachtet man beide Epochen, hatte sich bei der Herstellung von Farben nichts Wesentliches verändert: tierische Fette, farbige Erde und natürliche Pigmente waren die Ausgangsstoffe. Allerdings gab es ein Problem. Diese Farben waren nicht wetterfest.

Lackgewinnung
Als 3.000 vor Christi Geburt die Ägypter ihre Hieroglyphen-Schrift entwickelten, waren die Chinesen und Japaner bereits in der Lage, aus dem Saft des Rhus-Baums Lack herzustellen. Die asiatischen Lackmeister konnten den schwarzen oder roten Lack äußerst kunstvoll und in bis zu 30 hauchdünnen und hochglänzenden Schichten auf Kunstgegenstände auftragen.

In Indien wurde aus dem Stoffwechselprodukt der Schildlaus Schellack gewonnen, mit dem Oberflächen wetterfest gemacht wurden. Der deutsche Begriff „Lack“ wurde von dem altindischen Sanskrit-Wort „laksha“ abgeleitet. Es bedeutet soviel wie „hunderttausend“ – eine unvorstellbare Menge Schildläuse waren nötig für die Lackgewinnung.

Lackherstellung und Lackieren lagen bis in die Neuzeit in einer Hand – in der Hand des Künstlers. Der Lackierprozess war weniger durch Instrumente als vielmehr durch das Wissen um die richtige Handhabung des Materials geprägt. 

Industrialisierung
Ob Fahrrad, Pferdeomnibus, oder Lokomotive, ob Werkstor, Wohnblock oder Gartenzaun, ob Küchentisch, Nähmaschine oder Spielzeug, alles musste im Zuge der industriellen Revolution mit einer Farbschicht vor Wetter und Abnutzung geschützt und ansehnlich gemacht werden.

Noch beruhte die Produktion von Lacken überwiegend auf der persönlichen Erfahrung des Siedemeisters. Das einzige Handwerkszeug für die Applikation war nach wie vor der Pinsel. Als Henry Ford aber das Automobil am Fließband fertigen ließ, endete 1913 das Zeitalter der Manufaktur.

Impfpistole
Das Fließband veränderte den gesamten Fertigungsablauf. Schnellere und einfachere Methoden mussten gefunden werden. Die Spritzpistole, die der amerikanische Arzt Allen De Vilbiss 1890 eigentlich zur Zerstäubung von Medikamenten erfand, diente zur schnelleren Auftragung von Lackschichten.

Jedoch verstopften die gebräuchlichen Naturharzlacke die Düse der Pistole. Erst 1920 mit der Entwicklung des Bindemittels Nitrozellulose war der ideale Partner für die Spritzpistole gefunden. Mit der fortschreitenden Industrialisierung beschleunigten sich die technischen Innovationen. In den folgenden Jahrzehnten wurden immer mehr Naturprodukte durch Kunstharzlacke ersetzt.

Kein Marshall-Plan für Ostdeutschland
Im Mai 1945 lagen die deutschen Städte in Trümmern. Während in den westlichen Besatzungszonen die Betriebe notdürftig wieder instand gesetzt wurden, wurden die Lackfabriken, da sie in weitem Sinne der Rüstungsindustrie angehörten, aus der russischen Zone demontiert und in Richtung Osten abtransportiert.

Um nicht alle Produktionsstätten zu verlieren, bauten findige Techniker wichtige Teile aus den funktionstüchtigen Maschinen aus. Für die russischen Inspekteure waren die Anlagen auf den ersten Blick unbrauchbar.

Neuordnung der Wirtschaft
Im April 1948 wurde in der DDR die „Vereinigung Volkseigener Betriebe Lacke und Farben“ (VVB Lacke und Farben) gegründet. Ihr unterstanden damals 19 Betriebe. Aber nicht alle Betriebe des Landes wurden in das so genannte Volkseigentum überführt, viele kleinere konnten als Privatfirmen weiterexistieren.

Bis 1971 wurden fast alle Privatfirmen Kombinatspflichtig. Die Lackindustrie wurde im „Kombinat Lacke und Farben“ (LACUFA) des Ministeriums für Chemische Industrie zusammengefasst. Ob kleine oder große Produktionsmenge, mögliche Aufträge der Sowjetunion bestimmten häufig die Richtung der Entwicklung und des Exports.

Mehr als nur Farbe
Nach der Wiedervereinigung entstanden einige der modernsten Lackfabriken in den neuen Bundesländern. Egal ob Haushalts-Gegenstände, Gebäude, Autos, Flugzeuge, Computer oder Mikrochips, die Lackindustrie ist aufs Engste mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft. Wo wir uns auch bewegen, ein Leben ohne Farben und Lacke ist nicht denkbar.

Lacke schützen, verschönern und erregen Aufmerksamkeit. Lack besteht noch nach Jahrtausenden zumeist aus den gleichen Grundelementen wie früher: nämlich aus Bindemitteln, Lösemitteln, Farbmitteln sowie Hilfsstoffen.