Eine Frage des guten Rufs
Institutionen aller Art leben von ihrem guten Ruf, der ihnen in der Gesellschaft Akzeptanz beschert. Das gilt auch für Unternehmen, die Produkte auf dem Markt anbieten möchten. Jedenfalls wenn es sich nicht um Monopolisten handelt, denen es egal sein kann, was die Kunden von ihnen denken, so lange sie nur kaufen (müssen). Alle jedoch, die im Wettbewerb bestehen wollen, brauchen ein gutes Image. Heutzutage reicht es vielfach nicht mehr, gute Produkte zu günstigen Preisen anzubieten. Ein Unternehmen – so die neuesten gesellschaftlichen Forderungen – muss auch nachhaltig wirtschaften. Oder anders gesagt: Nachhaltigkeit gehört zum guten Ton.
Die Unternehmen müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach mit nachhaltig erzeugten Produkten keine zusätzlichen Gewinne einfahren werden. Es gilt eher umgekehrt: Wer nicht nachhaltig wirtschaftet, wird womöglich Imageeinbußen erleiden und am Markt Nachteile hinnehmen müssen.
Nachhaltigkeit basiert auf drei Säulen: der ökologischen, der sozialen und der ökonomischen. Die geneigte Öffentlichkeit ist allerdings – wenn es also um die Ökonomie der Nachhaltigkeit geht – meistens ziemlich blind. Man könnte auch von einer besonderen Form der Farbenfehlsichtigkeit sprechen: nur „grün“ – also ökologisch – wird als „gut“ angesehen. Das entspricht aber keineswegs den Grundlagen von wirklicher Nachhaltigkeit.
Die aktive Beschäftigung der Lack- und Druckfarbenindustrie mit dem Thema ist notwendig, denn der Trend zu mehr Nachhaltigkeit ist nicht aufzuhalten. Für die Industrie bietet die intensivierte Diskussion über nachhaltiges Wirtschaften die Chance manches klarzustellen: Ein Unternehmen, das die Umwelt schützt, sich selbst dabei allerdings ökonomisch ausblutet, wäre nicht nachhaltig. Deshalb muss vermieden werden, die Diskussion um Nachhaltigkeit auf die ökologische Dimension zu verkürzen. Sonst entsteht daraus nur ein „Responsible Care hoch zwei“.
Ihr
Michael Bross
... zu anderen Themen wäre noch zu sagen:
- Der Frühsommer in Deutschland war bestimmt vom Atomausstieg und dem EHEC-Bakterium. Beides hatte mit Bauchgefühl zu tun. Gemeinsam war den Diskussionen, dass sie unlogisch, hektisch, panisch waren. Wenn diese Art der Gefühlspolitik ein Vorbote der Demokratie der neuen Art ist, dann wird sich die Industrie in Deutschland noch auf einige unerfreuliche Situationen einstellen müssen. Das Bauchgefühl trügt ja selten
- Der Verbraucher hat es nicht begriffen! So oder ähnlich lautet stets das Lamento aus Berlin oder Brüssel, wenn die geplagten Bürger wieder einmal nicht so kaufen und handeln, wie sich das Regierungen und Bürokraten vorstellen. Jüngstes Beispiel war das kabarettistische Verwirrspiel um den Bio-Sprit E-10 an deutschen Tankstellen, das am Fastnachtsdienstag seinen närrischen Höhepunkt in Form eines Benzin-Gipfels im Wirtschaftsministerium fand. Wirklich nicht?
- Ein Sonnenschutzprodukt wurde im Internet mit der Aussage „frei von Nano-Technologie* (*nach EU-Kosmetikverordnung)“ beworben. Das Produkt enthält aber Titanoxid-Teilchen von 12 Nanometern Durchmesser, die in sphärischem Silica verkapselt sind. Eine solche Silica-Kapsel wiederum ist zwar zwischen 2 Mikrometer und 7 Mikrometer groß. Das Landgericht Düsseldorf hat die werbenden Angaben aber als irreführend im Sinne des einschlägigen Gesetzes beurteilt, hierin also eine „zur Täuschung geeignete Angabe“ gesehen. War da wirklich nix drin?
- Mit Grausen erinnern sich viele mittelständische Lack- und Farbenhersteller an die Jahre 2003 bis 2007. Damals wurde in Brüssel die ambitionierteste Gesetzgebung der europäischen Geschichte durchgeboxt: REACH. Basierend auf einem Weißbuch der EU-Kommission wurde viel versprochen. Hier fällt einem natürlich ein anderes Großprojekt der EU ein, das sich ebenfalls mit der Wettbewerbs-fähigkeit befasste: die Lissabon Strategie. Anders als REACH wurde diese durchaus verfolgenswerte Idee aber ganz schnell zurückgezogen und vergessen gemacht. Und jetzt: Nicht schon wieder!
- Jahrhunderte lang suchte die Menschheit nach einer Maschine, die ganz von allein immer weiter laufen sollte. Die ohne Anstrengung der Menschen funktionierte und von ganz allein ihre Arbeit verrichtete. Schamanen, Scharlatane und Alchimisten versuchten sich an dem Wunderapparat, der Sorgen und Nöte zu beseitigen und die lästige Arbeit abzuschaffen vermöchte. Sie suchten nach einem Perpetuum Mobile
- Wissenschaftler – wem steht da nicht das von Hollywood inszenierte Bild vom zerstreuten Professor vor Augen, der, getrieben von der Vision eines besseren Lebens für die Menschheit, in seinem Labor geheimniskrämerisch nach der großen Weltformel sucht. Ziele, Visionen, Kreativität, Begriffe, die schwer zusammen zu bringen sind mit dem Einheitsgrau der Bürokratie und dennoch gibt es Wissenschaftsbürokraten
- Finanzminister Steinbrück hatte einst alle „Lobbyisten in die Produktion“ schicken wollen; gedacht hat er bestimmt an einen Steinbruch. Gängigen Vorurteilen zufolge üben maßlose Lobbyisten stets maßlosen Druck aus, um das Gemeinwesen den Wirtschaftsinteressen gefügig zu machen.
- Egal wohin man schaut - die Bürokratie ist schon da. Kein Wunder also, dass es allenthalben zur Bürokratie-Allergie kommt.....
- Ein Orden für Alles Eine Ordensverleihung ist ein schönes Fest. Ergriffenheit macht sich breit, wenn den Teilnehmern durch würdevollen Vortrag beigebracht wird,
- Vorne ist immer Platz! Natürlich nur, wenn man ganz vorne dabei ist. Ums Vorne-Dabei-Sein ging es auch bei der Mitgliederversammlung des Verbandes der deutschen Lackindustrie in Baden-Baden.
- Gerade, wenn wir über Lacke und Farben – oder noch schlimmer: über Chemie reden –, geht es kaum noch darum, sich mit echten Gefahren auseinanderzusetzen. Das postindustrielle Wahrnehmungsschema moderner Gesellschaften wird vom Risiko der Wahrscheinlichkeit eines negativen Gedankens beherrscht ...
- Haben Sie schon mal eine Vollmacht vom Froschkönig gesehen?
- Nur noch schlechte Nachrichten über Produkte scheinen poltisch korrekt. Verbraucherschutz steht im Zeichen des Misstrauens



