Ein Orden für alles

Eine Ordensverleihung ist ein schönes Fest. Ergriffenheit macht sich breit, wenn den Teilnehmern durch würdevollen Vortrag beigebracht wird, welche Verdienste der oder die Ausgezeichnete angehäuft hat. Die Deutschen lieben diese Zeremonie so sehr, dass nicht nur alljährlich die Verleihung eines Ordens „Wider den tierischen Ernst“ im Fernsehen zelebriert wird, sondern auch allen möglichen Produkten bunte Embleme aufgedruckt und angeheftet werden. So ein Orden schmückt ja auch ungemein. Deshalb werden TÜV, LGA, RAL, Nature plus, die Stiftung Warentest und Ökotest als Referenzen verwendet, um das Etikett auf Eimer oder Dose „aufzuhübschen“. Macht sich gut im Marketing – aber macht es auch Sinn?

Seit vielen Jahren muss mit Brief und Siegel alles belegt werden, was angeblich für den Kunden relevant ist: ökologische Verträglichkeit, gesundheitliche Unbedenklichkeit und was der vermeintlichen Qualitätsmerkmale noch so wären. Nebenbei bemerkt: Preisschilder kleben auch auf Eimer oder Dose. Und oftmals nutzen die Käufer den Preis als Indikator für das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Ware. Es ist diese klassische Form von Wettbewerb, die auch heute noch bestens funktioniert.

Ein gutes Produkt sollte seinen Zweck erfüllen. Sekundärinformationen durch bunte Siegel und Plaketten in den Vordergrund zu schieben, bringt keinen nachhaltigen Erfolg – schon gar nicht, wenn alle das machen. Wer den wirklichen Wettbewerb will, sollte sich auf den Stand der Technik beziehen. Für Lacke und Farben im Baumarkt haben Experten aus der Lackindustrie für die Lackindustrie definiert, wie dieser technische Stand aussieht.

Mit der VdL-Richtlinie zur ökologischen Bewertung von Do-it-yourself-Produkten macht sich die Industrie auch davon frei, dass heute vermeintliche Problemstoffe durch Verfeinerung der Messtechnik definiert werden und nicht durch Erkenntnisse der Wissenschaft. Keiner will mit der Gesundheit der Kunden spielen oder die Umwelt ruinieren. Es wäre aber auch nicht fair, so zu tun, als wäre heute jedes Produkt gefährlicher als früher, nur weil wir besser messen können.

Fortschritte in der Messtechnik machen an vielen Stellen Sinn. Wenn sie aber missbraucht werden, um ein Zertifikatsunwesen aufzublähen, dann wird Fortschritt in eher fraglicher Weise benutzt. Und wozu soll das gut sein?

Ihr Michael Bross

Leistungsgemeinschaft für Fassaden- und Innenputze

 

Lackchemie in 52 Kapiteln - eine Sammlung der Gesellschaft deutscher Chemiker

 

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Aktualisierung: 
1. September 2011