Vorne ist immer Platz!
Natürlich nur, wenn man ganz vorne dabei ist. Was für den Urheber dieser netten kleinen Weisheit, den Rennfahrer Michael Schumacher, eine Selbstverständlichkeit war. Ums Vorne-Dabei-Sein ging es auch bei der Mitgliederversammlung des Verbandes der deutschen Lackindustrie in Baden-Baden. Der Verbandspräsident, Peter Becker, machte den versammelten Lackherstellern Mut, wenn er sie dazu aufrief, sich Partner zu suchen, die international aufgestellt sind. Die Kernkompetenz gerade der Spezialitätenhersteller müsse international vermarktet werden, damit die deutschen Lackfabrikanten auch in Zukunft immer ganz vorne dabei seien! Innovationen rauf und Kosten runter! forderte Becker und setzte gleich noch einen drauf: Die Industrie solle bei der Forschung nicht nachlassen und sich so ihre eigene Konjunktur schaffen. Da hat die Lackindustrie in den nächsten Jahren ein anspruchsvolles Programm zu erfüllen.
Anspruchsvoller wird es ab dem nächsten Jahr auch beim VdL zugehen: Der Verband wächst! Die Druckfarbenhersteller werden ab Anfang 2009 zum VdL stoßen. Der Lack- wird zu einem Lack- und Druckfarbenverband. In Europa waren die Deutschen bei dieser Form der Zusammenarbeit keineswegs vorne dabei, sondern ganz im Gegenteil machten sie das Schlusslicht. Die Fusion zwischen dem größten Lackverband und dem größten Druckfarbenverband Europas war schon lange überfällig. Für die europäische Sache bei CEPE sollte dieses Zusammengehen deutliche Vorteile bringen: Deutschland spricht in Zukunft mit einer Stimme, und durch die Synergien, die die Fusion bringen soll, werden Ressourcen frei, die neuen europäischen Projekten zugewendet werden können.
In Europa sollten die deutschen Lackhersteller auch ganz vorne dabei sein, wenn es ums Politische geht. Da steht so einiges auf der Agenda, bei dem man eifrig mit tun sollte. Zum Beispiel das Thema Lösemittelverwendung und vor allem Lösemitteleinsparung. Wenn die Experten sich nicht verrechnet haben, wird bis zum Jahr 2010 genau ein Land in der EU die Reduzierungsvorgaben bei den flüchtigen organischen Verbindungen erfüllen können: Deutschland. Zugegebenermaßen steht die Republik nur wegen des "DDR-Effektes" ganz vorne. Das ändert aber nichts daran, dass bei der Fortschreibung der Ziele hart verhandelt werden muss, damit die Industrie hierzulande nicht für die Erfolge, die sie unstreitig auch zu verzeichnen hat, was die Einführung innovativer, umweltschonender Beschichtungssysteme angeht, "bestraft" wird.
Auch im Jahr 2020 wollen die Lackhersteller in Deutschland vorne dabei sein - was die verkauften Lackmengen und die Erträge angeht, nicht aber bei der Zahl der geschlossenen Fertigungsstätten. Dafür lohnt sich jede politische Initiative.
Ihr Michael Bross
Juni 2008
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