Farbe für Orientierung und Sicherheit

Farben können unsere Welt verschönern, aber auch schwieriger wahrnehmbar machen. Erst wenn Farben gezielt in einem Kontext und systematisch aufeinander bezogen verwendet werden, gestalten Sie unsere Welt übersichtlicher. Nahezu unerheblich sind Farben nur dann, wenn die Lichtverhältnisse so schwach sind, dass die Farbrezeptoren (Zapfen) in den Augen nicht mehr auf sie ansprechen.

Farben sind vor allem aus folgenden Gründen wichtig:
• Unsere visuelle Wahrnehmung kann Informationen nur dann erkennen, wenn
   sich die entsprechenden Zeichen von der Umgebung abheben. Die wichtigste
   Größe hierfür ist der Helligkeitsunterschied, in der Fachsprache
   Leuchtdichtekontrast genannt. Eine Unterscheidung eines Zeichens vom
   Hintergrund kann durch die Verwendung von Farben unterstützt werden.
• Unser visuelles System verstärkt oder verringert den wahrgenommenen
   physikalischen Leuchtdichtekontrast. Je nachdem, welche Farbtöne
   verwendet werden, unterstützt eine geeignete Farbkombination die
   Kontraste, hilft also visuelle Informationen zu verdeutlichen.

Am folgenden Beispiel kann man sehen, welche Farbkombinationen vorteilhaft bzw. problematisch sind.
• Die Kombination Dunkelrot/Dunkelblau ist aus verschiedenen Gründen
   problematisch: Einerseits ist der Kontrast zwischen beiden Farben nicht groß
   genug, andererseits können fast 9 Prozent der Bevölkerung Rot/Grün nicht
   korrekt wahrnehmen, so dass bei dieser Farbkombination die Information
   Dunkelrot als fast Schwarz im dunkelblauen Hintergrund verschwindet.
• Die Kombination Hellgrün auf Dunkellila dagegen ist vorteilhaft, weil ein
   ausreichender Kontrast gegeben ist und eine Rot/Grün-Schwäche nicht greift,
   da das Grün so hell ist, dass es zumindest als Grau wahrgenommen werden
   kann.

Optimale Wahrnehmbarkeit

Ein Forschungsprojekt des Bundesgesundheitsministeriums konnte kürzlich zeigen, welche Farbkombinationen wesentlich darüber mitentscheiden, wie sicher eine Information auffällt oder richtig erkannt wird. Zu diesem Zweck wurden mehrere hundert Farbkombinationen in Augenkliniken und einem lichttechnischen Institut getestet. Die Tests wurden an Versuchspersonen durchgeführt, die an Seheinschränkungen litten. Auf diese Weise entstand eine nach Kontraststärke abgestufte Reihenfolge von Farbkombinationen. Zu den Farbkombinationen, die am deutlichsten die Information optischer Zeichen unterstützen, gehören vor allem:
• Dunkelblau auf Hellgrün
• Gelb auf Dunkellila
• Gelb auf Dunkelblau
• Gelb auf Dunkelrot
• Hellgrün auf Dunkellila
• Hellgrün auf Dunkelrot
• Gelb auf Dunkelgrün
• Weiß auf dunklen Farben
(im wesentlichen Rot, Lila, Blau, Grün einschließlich Schwarz)
 
Es ist nicht sinnvoll und auch nicht erforderlich, dass alle Informationen mit dem höchsten Kontrast ausgestattet sind. Die Farbkombination ist je nach Wichtigkeit der Information auszuwählen. So sollten die besten Farbkombinationen den Warnhinweisen in Gefahrenbereichen vorbehalten werden. Für Informationen, für deren Aufnahme mehr zeit zur Verfügung steht, können suboptimale Farbkombinationen verwendet werden.

Zum richtigen Farbkontrast für Informationen gehören daher eine darauf abgestellte Helligkeit (Leuchtdichte) und passende Größenverhältnisse für die optischen Zeichen. Eine Abstufung von Kontrasten (dargestellt durch unterschiedliche Leuchtdichten) gelingt am besten bei künstlicher Beleuchtung. Bei Tageslicht im Freien werden die erforderlichen Helligkeitswerte so gut wie immer überschritten, so dass Prioritäten lediglich durch Farbauswahl, Abstufungen von Objektgrößen und Kontraste gesetzt werden können. Bei Beleuchtung durch Tageslicht sind extreme Werte für Helligkeiten auf den Objekten und Flächen durch eine geeignete Standortwahl und durch eher matte Oberflächen zu vermeiden.
 
Entscheidend sind die Leuchtdichtekontraste

Leuchtdichtekontraste sollten bestimmte Werte innerhalb des Skalenbereichs von 0,0 bis ± 1,0 einhalten. Die Messung von Kontrasten erfolgt mit Hilfe eines elektronischen Geräts und ist durch einfaches Betrachten nur sehr ungenau einzuschätzen, da der Helligkeitseindruck die zuverlässige Beurteilung des Kontrasts erschwert. Warnungen vor Gefahren sollten im hohen Kontrastbereich (ab 0,83) liegen. Für einfache Entscheidungshilfen (wie etwa ein Hinweis auf einen Bahnsteig) sind Kontraste zwischen 0,51 und 0,83 nützlich. Kein Kontrast sollte kleiner als 0,28 sein.


Obwohl Kontraste physikalisch gesehen unabhängig von der Leuchtdichte sind, ist es vorteilhaft, für eine ausreichende Leuchtdichte (ab etwa 100cd/m2) zu sorgen, da bei geringerer Leuchtdichte das Auge physikalisch gegebene Kontraste physiologisch nicht voll auswertet. Die Umfeldleuchtdichte, also die Helligkeit des Umfelds von Zeichen, sollte im Bereich von 100 cd/m2 bis 500 cd/m2, am besten bei etwa 250 cd/m2 liegen. (cd/m2 = candela pro Quadratmeter, Maßeinheit für Leuchtdichte)

Ein weiteres wichtiges Merkmal stellt die Größe des visuellen Objekts dar. Am besten beschreibt man die Objektgröße durch den sogenannten Sehwinkel, der sich vom Auge des Betrachters aus durch die Außenkanten des Objekts bildet. Komfortable und für sehbehinderte Personen notwendige Sehwinkel liegen zwischen 0,8 und zwei Grad. Daraus ergibt sich eine erforderliche Buchstabengröße von etwa neun bis 18 Zentimetern bei einer Leseentfernung von fünf Metern. Werbelettern an Wänden in Dachhöhe großer Bahnhofshallen sollen manchmal aus 150 Metern noch gut gelesen werden können: Dies führt zu Zeichnhöhen von mindestens 2,6 Metern.

Das Handbuch des Forschungsprojektes liefert zu den optimalen Leuchtdichtekontrasten, der richtigen Größe von Zeichen und anderen Informationsträgern in Abhängigkeit zu ihrem Umfeld genaue Aussagen. Die Umsetzung in die Praxis wird durch Messapparaturen unterstützt, so dass nicht das individuelle Farb-, Helligkeits- oder Größenempfinden subjektiv entscheiden muss.
 
Farben erzielen Wirkungen

Jede visuelle Information ist von ihrem Umfeld farblich großflächig ist und somit dominant wird, das optische Zeichen also nicht nur durch eine andere Farbe abgegrenzt wird, können dadurch zusätzliche emotionale Wirkungen auftreten. Diese Wirkungen können als Veränderung von Stimmungen auftreten. Die wichtigsten Wirkungen von Farben innerhalb und außerhalb von Gebäuden bestehen in der
• Unterstützung der Auffälligkeit von visuellen Informationen
• Unterstützung der Auffälligkeit von visuellen Informationen
• Verdeutlichung eines Raumeindrucks durch Farbflächen
• Verdeutlichung eines Bewegungsraums durch farbige Bänder, Abgrenzungen
   und Konturen
• Entwicklung von Stimmungen und Befindlichkeiten durch Farbkombinationen
   und Farbtönungen

Das Seebad Petten in den Niederlanden experimentiert mit Farbkontrasten im Ortskern, um räumliche Strukturen zu verdeutlichen und um Stimmungen positiv zu beeinflussen: Auf die Oberfläche von Fußwegen im Zentrum des Dorfes wurde helle blaue Farbe aufgebracht, die emotional auf Meerwasser und wolkenlosen blauen Himmel hinführen kann.

Die Vielzahl von sinnvollen Farbkombinationen, die das Handbuch enthält, ermöglicht dem Praktiker Variabilität in der Planung und Ausführung, so dass unterschiedliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden können. Weitere Farbkombinationen für visuelle Informationen können noch aus dem Original des zugrundeliegenden Forschungsberichts herausgezogen werden. Günstige Farbkombinationen für Wohnbereiche, vor allem für ältere Menschen, enthält eine Informationsschrift des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.


Das Handbuch bietet auf der Basis der durchgeführten Forschungsarbeiten eine Fülle von Beispielen, Handreichungen und Vorschlägen zur Gestaltung visueller Informationen. Ergänzt werden diese Angaben durch lichttechnische und wahrnehmungsphysiologische Erklärungen.
Autor dieses Beitrages: Prof. Dr. Wilfried Echterhoff, Universität Wuppertal 

Leistungsgemeinschaft für Fassaden- und Innenputze

 

Lackchemie in 52 Kapiteln - eine Sammlung der Gesellschaft deutscher Chemiker

 

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Aktualisierung: 
1. September 2011