• Weihnachtsklänge - Wie Beschichtungen helfen, den richtigen Ton zu treffen




    Die Advents- und Weihnachtszeit ist wie keine andere Zeit des Jahres geprägt von strahlendem Lichterglanz, verlockenden Gerüchen, knisternden Kaminen und nicht zuletzt von stimmungsvoller, festlicher Musik und geradezu himmlischen Klängen. Für viele Menschen sorgen vor allem klassische Weihnachtsmusik und Oratorien sowie das Glockengeläut, das die Feiertage überall im Land begleitet, für die typische weihnachtliche Stimmung. Und wer hätte gedacht, dass Unternehmen der Lackindustrie einen Beitrag dazu leisten, damit all das auch gut klingt?

    Wenn im Kölner Dom an Heiligabend die 24 Tonnen schwere Petersglocke, im Volksmund „decke Pitter“ genannt, mit ihrem besonders tiefen Klang zu läuten beginnt, der bis weit ins Kölner Umland zu hören ist, dann schlagen auch die Herzen dreier Mitarbeiter von Dörken MKS in Herdecke höher. Denn sie haben mit ihrem Know-how ihren Teil dazu beigetragen, dass die noch bis vor zwei Jahren größte freischwingende Glocke der Welt heute wieder so klingt wie sie soll. Das Team aus Tobias Kleyer, Alexander Kreicker und Pascal Jung, war an diesem besonderen Projekt beteiligt.

    Kirchenglocken selbst werden zwar nicht beschichtet oder lackiert. Sie sind meist aus Bronze oder Gussstahl gegossen. Aber die Aufhängung im Glockengestühl, um die tonnenschweren Glocken zu sichern, und die Halterung des Klöppels müssen vor Korrosion geschützt sein. „Dabei ist die Aufhängung des Klöppels ganz entscheidend für den Klang der Glocke“, weiß Tobias Kleyer, für Technologie und Netzwerken bei Dörken MKS verantwortlich. „Und da gab es beim „Decken Pitter“ ein Problem.“ Denn eine Untersuchung des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken hatte ergeben, dass ein ungleichmäßiger Anschlag des Klöppels, dafür verantwortlich war, dass die Petersglocke nicht wie gewohnt klang. „Der Grund dafür war, dass schon beim Guss 1923 das Loch für die Klöppelaufhängung nicht genau in der Mitte der Glockenhaube platziert worden war, was zu einem harten, ungleichmäßigen Anschlag des Klöppels bis hin zu Aussetzern führte“, ergänzt Alexander Kreicker, Teamleiter Industrial Application bei Dörken MKS. „Es wurde festgestellt, dass eine neue Aufhängung des Glockenklöppels durch einen weicheren Anschlag nicht nur den Klang verbessern, sondern auch zu einem nachhaltigen Schutz der Petersglocke selbst führen würde.“

    Hochmoderne Konstruktionsbeschichtung für historische Glockentechnik

    Die Kölner Dombauhütte entwickelte deshalb gemeinsam mit der TH Köln eine neue, einzigartige Aufhängung. Sie ist aus nur einem einzigen Schmiedestück gefräst und lässt sich über zwei Doppelexzenter millimetergenau horizontal verschieben, womit der Glockenton exakt „gestimmt“ werden kann. „Um dieses weltweit einmalige, 780 Kilogramm schwere Bauteil langfristig zu schützen, war unser Know-how als Korrosionsschutzexperten gefragt“, erinnert sich Kreicker. Das Team hatte jedoch nicht viel Zeit für die Durchführung der Beschichtung. Mitte Oktober 2018 kam der Auftrag, und schon am 1. November, zu Allerheiligen, sollte die Petersglocke, von der die Kölner behaupten, dass sich kein anderes Geläut mit ihr messen kann, wieder läuten.

    „Die Arbeit im offenen Glockengestühl hoch oben im Kölner Dom war etwas ganz Besonderes und geradezu ehrfurchtgebietend“, erinnert sich Kreicker. „In dieser Umgebung war es von Vorteil, dass unsere Zinklamellenbeschichtung bei Raumtemperatur trocknet und wir keinen Einbrennofen benötigten. So konnte Pascal Junker, der damals noch Auszubildender Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik bei uns war, die nur 4–20µm dünne Schutzschicht problemlos aufspritzen.“ Die neuartige Klöppelaufhängung ist jetzt für eine lange Zeit vor Korrosion geschützt. „Und gerade jetzt, zum Jahresende, wenn der Decke Pitter zu den hohen katholischen Feiertagen wieder häufig zum Einsatz kommt, erinnern wir uns gerne daran, dass wir dazu beitragen durften, dass die Petersglocke mit ihrem typischen Klang noch lange erhalten bleiben wird“, fügt Kleyer abschließend hinzu.

    Feine Akustik für festliche Klänge im Kirchenraum

    Klanglich stimmen in der Adventszeit vielerorts zudem viele festliche Kirchenkonzerte auf das Weihnachtsfest ein. Doch das Hörerlebnis ist in sakralen Bauten nicht immer ungetrübt. Das stattliche Volumen der oft alten Gemäuer wirkt sich auf Lautstärke und Nachhall aus. Selbst eigentlich wohlklingende Musik nimmt das Gehör im schlimmsten Fall als dröhnenden Klangbrei wahr. Wie kann man dieses Problem lösen? „Um die Akustik eines Raums zu beeinflussen, gibt es unterschiedliche Mittel“, weiß Verena Brettschneider, Ingenieurin für Raumakustik des Dr.-Robert-Murjahn-Institutes in Ober-Ramstadt. Sie hat zum Beispiel das Klangbild der Diakonissenkirche in Frankfurt neu dimensioniert. „Wichtig ist es, die Nachhallzeit zu reduzieren. Dabei gilt es gerade in einer Kirche, die richtige Balance für die Raumakustik zu finden. Der Klang darf letztlich nicht zu „trocken“ sein – die Orgel etwa braucht auch eine gewisse Halligkeit.“

    Die Optimierung der Akustik in Kirchenbauten stellt besondere Anforderungen an die praktische Umsetzung. Denn selbstverständlich soll der architektonische Gesamteindruck des Gebäudes gewahrt bleiben. „Allein mit einer Farbbeschichtung lässt sich der Schall in Räumen nicht absorbieren“, so Verena Brettschneider. „Dazu fehlen der Farbe zwei entscheidende Merkmale: zum einen die nötige Schichtdicke und zum anderen die offene, schalldurchlässige Struktur.“ Genau diese Eigenschaften bieten spezielle Akustikmaterialien: Sie müssen in erster Linie offenporig und porös sein. Durch die offene Struktur können die Schallschwingungen der Luft in das Material eindringen.  Physikalisch gesehen wird der Schall dabei durch Reibungsverlust geschwächt und somit absorbiert.  In der Diakonissenkirche verwendete man deshalb eigens angefertigte Elemente aus einem feinporigen und flexibel formbaren Schaumstoff aus Melaminharz von Caparol. Dazu zählen zum Beispiel an Decke und Wänden verklebte Platten, Deckensegel und so genannte Baffles – senkrecht von der Decke abgehängte Panels oder zylindrische Elemente. Mit den aufeinander abgestimmten Maßnahmen ist es gelungen, die Nachhallzeit in Diakonissenkirche um 0,6 Sekunden zu verringern. Darüber hinaus können auch natürliche Materialien, wie etwa Hanf, den Schall in Räumen absorbieren.  Blähglasgranulat – ein aufbereiteter Altglasbruch, der im Blähofen zum Rohgranulat aufgeschäumt wird – dient ebenfalls zur Schallreduzierung.

    Wie sich die Kirchenraumakustik verbessern lässt, hängt immer von den Anforderungen des jeweiligen Bauwerks ab – Pauschalrezepte gibt es nicht. Eine individuelle Analyse und sorgfältige Planung der Maßnahmen sind daher notwendig, damit Orgel-, Orchester- und Chormusik zum echten Hörgenuss wird – und das nicht nur Weihnachtszeit.

    Geben Lacke der Weihnachtsmusik eine besondere Note?

    Bachs Weihnachtsoratorium und Händels Messias zählen zu den musikalischen Höhepunkten in der Adventszeit - die Meisterwerke werden mit Chor, Solisten und Orchester aufgeführt. Zum optimalen Hörerlebnis trägt nicht nur die Raumakustik bei, auch die Fertigung der Instrumente selbst spielt eine wesentliche Rolle. Gerade bei klassischen Streichinstrumenten nimmt die Lackierung einen ganz besonderen Stellenwert ein. Sie schützt vor Schmutz und Feuchtigkeit und veredelt die Optik. Doch musikalisch entscheidend ist der akustische Effekt, den sie erzielen.

    Für Geigenbauexperten besteht kein Zweifel, dass schlechte Lackierungen bei Violinen, Bratschen und Celli den Klang ruinieren können. Welchen Einfluss haben die Lacke also auf die Klangeigenschaften des Holzes? Die Erklärung basiert auf physikalischen Erkenntnissen. Ein Lack von guter Qualität verringert die Dämpfung. Gleichzeitig kann er bewirken, dass sich die Schallgeschwindigkeit im Verhältnis zur Dichte erhöht. Das führt im Ergebnis dazu, dass sich die Resonanz verbessert – die Töne können sich optimal ausbreiten, musikalische Dynamik und Modulierbarkeit des Instruments nimmt deutlich zu. Manche Geigenbauer prüfen und beurteilen deshalb die Klangqualität ihrer Instrumente nicht nur subjektiv, sondern nutzen auch spezielle akustischen Messverfahren.

    Seit jeher ranken sich um die Herstellung von Geigenlackierungen Mythen und Legenden - schon Altmeister Stradivari hat die Rezeptur seiner Lacke wie ein Geheimnis gehütet. Bis heute stellen Geigenbauer ihre Lackierungen mit viel Sorgfalt und Raffinesse aufwändig selbst zusammen. Wertvolle Naturzharze, beispielsweise Benzoe, Mystix, Myrrhe und Bernstein, bilden die Basis der Lackierungen, die in Öl oder Spiritus gelöst werden. Hinzu kommen weitere Ingredienzien, wie pflanzliche Farbextrakte, Balsame und ätherische Öle. Manche Lackkompositionen werden nur einmal dünn appliziert, für ein vollendetes Klangerlebnis ist jedoch meistens der Auftrag von mehreren Schichten notwendig. Es braucht auf jeden Fall viel Geschick, Wissen und Erfahrung, um mit der Lackierung den Instrumenten ihre bestmöglichen Klangeigenschaften zu verleihen.

    Es sind also die sehr unterschiedlichen Produkte und das vielseitige Know-how der Mitarbeitenden aus den Unternehmen der Lackindustrie, die ihren Part zu den harmonischen Klangerlebnissen in der Weihnachtszeit beitragen, die gerade jetzt so wohltuend wirken.




    • Wir sind Farbe - Das Magazin

      Blättern Sie durch die 15. Ausgabe unseres Magazins "Wir sind Farbe" und erfahren Sie unter anderem, wie Störungen in den Lieferketten und steigende Rohstoffpreise die Farben-Branche belasten, wie essenziell Pulverlacke für viele Alltagsprodukte sind und wie Beschichtungen in der Weihnachtszeit für einen guten Klang sorgen.

    • Fachgruppe Putz & Dekor

      Auf der Website der Fachgruppe Putz & Dekor erfährt der Interessierte alles über Fassaden- und Innenputze erhält einen umfassenden Überblick über die Produkte, ihre Zusammensetzungen und Qualitäten sowie Verarbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

    • Projekte des DLI

      Erfahren Sie in unserem Faltblatt alles über die laufenden Projekte, mit denen das DLI die Öffentlichkeit über die Bedeutung von Lacken und Farben informiert. Das geht jeden an. Ob es sich um unsere Kampagne #LebeFarbe handelt oder ob es um harte Fakten zum umstrittenen Thema Titandioxid geht. Sie erhalten einen Überblick über unserere Publikationen zu wichtigen Themen und Marktentwicklungen, und nicht zuletzt informieren wir Sie über die zahlreichen Veranstaltungen und Forschungsprojekte, an denen wir teilnehmen oder die wir selbst initiieren.

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