• Lacke geben vielen Instrumenten eine besondere Note




    Im Instrumentenbau haben Lackierungen eine jahrhundertelange Tradition. Ganz gleich, ob ein Instrument  aus Holz, Metall oder Kunststoff gefertigt ist: Der Lack bildet seine schützende äußere Hülle, wirkt dekorativ und verfeinert nicht zuletzt in vielen Fällen die klanglichen Eigenschaften. Viele Instrumente aus manueller und industrieller Produktion werden heute lackiert. Dabei kommt bei unterschiedlichen Instrumenten das jeweils am besten geeignete Beschichtungssystem zum Einsatz.

    Gitarrenbau: vom klassischen Schellack zum modernen UV-Lack

    Früher gehörte es im Gitarrenbau zum guten Ton, die Instrumente mit Schellack zu veredeln. Die harzige Substanz wird aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen. Durch Zugabe bestimmter Substanzen - wie Alkohol, Wachs oder Öl -, entsteht ein goldgelber Lack, der Instrumenten ein unvergleichliches Aussehen verleiht. Heute beherrschen allerdings nur noch wenige Gitarrenbaumeister diese zeit- und kostenintensive Form der Oberflächenbehandlung, die mehrere Beschichtungsdurchgänge beinhaltet und das Polieren von Hand erfordert.

    Immer noch sind bei der Lackierung von akustischen Gitarren Nitrozelluloselacke weit verbreitet. Sie werden auf Basis von Zellulosenitrat hergestellt und enthalten zusätzlich synthetische Harze und Farbstoffe. Weil sie dünn und elastisch sind, verleihen sie dem Instrument hervorragende akustische Eigenschaften und sind zugleich recht unempfindlich gegenüber mechanischen Belastungen. Der Nachteil: sie enthalten einen hohen Lösemittelanteil und sind sehr empfindlich gegenüber Wasser und Reinigungsmitteln.

    Wesentlich strapazierfähiger als Nitrolacke sind Polyurethan- und Polyesterlackierungen. Dabei handelt es sich um Zweikomponentenlacke, die neben Harzen noch einen zusätzlichen Härter enthalten. Sie werden nicht physikalisch gehärtet -  etwa durch Wärme -, sondern mittels einer chemische Reaktion, Der Vorteil von Polyesterlack: Er ist unempfindlich gegen die meisten Löse- und Reinigungsmittel. Außerdem lässt er sich – im Gegensatz zu Schellack und Nitrolack - in nur einem Spritzgang auf die Gitarre auftragen. Das spart viel Zeit. Nachteilig wirkt jedoch die spröde Beschaffenheit des Materials. Da die aufgetragene Schicht zumeist sehr dick ist, kann der Lack bei Stößen schnell „abplatzen“. Im Trend liegen bei Gitarren-Herstellern inzwischen auch UV-Lacke auf Wasserbasis. Sie härten durch UV-Strahlung blitzschnell aus – und sind äußerst robust. 

    Fantasievolle Designs für E-Gitarren

    Neben einem satten Sound aus dem Verstärker legen Besitzer elektrischer Gitarren großen Wert auf ein individuelles Aussehen ihres Instruments. Gitarren-Design ist geradezu Kult: Glitzernde Effektlackierungen und kühle Metallic-Töne sind ebenso beliebt wie schrille Neonfarben und anspruchsvoll gestaltete kleine Kunstwerke. Der Fantasie sind  keine Grenzen gesetzt. Die Instrumente werden im Airbrush-Verfahren – also mit sehr kleinen Spritzpistolen – lackiert. Diese Methode ermöglicht eine gleichmäßige Behandlung der Oberfläche und feine Farbverläufe. Dabei werden zumeist Acryl-Lacke verwendet, die zum Schluss mit einem Klarlacküberzug veredelt werden.

    Pianolacke für Klaviere und Flügel?

    Klaviere und Flügel wurden bis in das 20. Jahrhundert hinein ebenso wie Akustik-Gitarren mit Nitrolacken beschichtet. Die feine, elastische Lackschicht kommt dem Charakter der Instrumente entgegen und wirkt sich positiv auf die Klangqualität aus. Der Lack wurde zumeist im Spritzverfahren aufgetragen und härtete durch das Verdunsten des Lösemittels aus. Wegen ihrer Empfindlichkeit kommen sie heute allerdings kaum noch zum Einsatz. Übrigens: Der sogenannte Klavier- oder Pianolack, der heute an hochwertigen Komponenten der Unterhaltungselektronik, im Innenbereich von Autos oder bei Möbelfronten angepriesen wird, hat nichts mehr mit dem ursprünglichen Klavier- oder auch Schleiflack zu tun, der vor allem im 19. Jahrhundert in einem sehr aufwändigen Verfahren mit bis zu 12 Schichten aufgetragen und in zahlreichen Schleifgängen auf Hochglanz gebracht wurde.

    Heute werden Klaviere häufig mit beständigen Polyurethan-Lacken beschichtet, die durch eine chemische Reaktion aushärten. Die robusten Lacke, die im Spritzverfahren verarbeitet werden, ergeben ebenfalls matte bis seidig glänzende Nuancen. Wer ein Klavier oder einen Flügel richtig auf Hochglanz bringen will, verwendet Polyesterlacke. Sie bieten mit Abstand die glanzvollsten Transparent- und Farbeffekte. Klavier- und Flügelhersteller verwenden mittlerweile für hochglänzende Oberflächen fast immer Polyesterlack. Appliziert wird der Lack durch Spritzen oder Gießen. Ist die Lackschicht getrocknet, folgen Schleifen und Polieren. Was Beständigkeit und Glanz  angeht, ist diese Lackiermethode  allen anderen Verfahren überlegen. Allerdings erweist sie diese Methode als besonders aufwändig, weil sie äußerst präzise technische und handwerkliche Fertigkeiten voraussetzt.

    Blankes Blech oder transparenter Schutz?

    Blechblasinstrumente werden häufig mit einer transparenten Lackierung behandelt. Der Überzug dient weniger der Optik, sondern in erster Linie als Schutz vor Oxidation, damit  das Instrument nicht so schnell „anläuft“. Zwar bevorzugen manche Musiker das „blanke“ Blech, aber viele geben lackierten Instrumenten den Vorzug. Das hat einen ganz praktischen Grund: Durch den Überzug ist das Metall gegen Staub, Feuchtigkeit und Schweiß geschützt -  der Bläser muss es nicht mehr so oft putzen.

    Blechblasinstrumente werden mit Klar- oder samtig deckenden Mattlacken behandelt. Üblich ist eine Schicht aus Epoxidharzlack - ein Kunstharzlack, der unter anderem für Einbrennlackierungen verwendet wird. Bei diesem Verfahren wird die Lackschicht sehr dünn aufgetragen und beim Trocknen auf 160 bis 200 Grad Celsius erwärmt. Der Vorteil dieser Methode: Der Überzug erhält mehr Härte und ist dadurch haltbarer.

    So vielfältig die Welt der Instrumente ist, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten ihrer Lackierungen. Professionelle Instrumentenbauer und ambitionierte Amateure haben heute keinen Mangel an Alternativen, sondern in vielen Fällen die Qual der Wahl.



    • Wir sind Farbe - Das Magazin

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