• Bleistiftlackierung: Farbenfrohe Schreiberlebnisse

    Das Internet ist auf dem Vormarsch, der altbewährte Bleistift aber keineswegs auf dem Rückzug: 77 Prozent der Deutschen gehen online, 81 Prozent nutzen den Bleistift. Das klassische Schreibgerät behauptet in unserer digitalen Welt seinen festen Platz zwischen Bildschirm, Tastatur und Mousepad. Kinder schreiben damit in der Schule ihre ersten Buchstaben und Wörter, am Arbeitsplatz dient er als Hilfsmittel für Notizen und Korrekturen - und Kreative schätzen ihn nach wie vor beim Zeichnen und Skizzieren.

    Dabei ist das beliebte Schreibutensil schon fast 450 Jahre alt. Nachweislich gibt es den Bleistift schon seit 1565. Damals entstanden in England die ersten Vorläufer unserer heutigen Bleistifte. Mit dem Schwermetall Blei hat das Schreibwerkzeug allerdings rein gar nichts zu tun. Denn die dunkle Mine bestand ursprünglich aus Graphit, einer weichen, völlig ungiftigen Kohlenstoffvariante. Seit dem 19. Jahrhundert werden die Bleistiftminen aus einem Graphit-Ton-Gemisch hergestellt. Heute produzieren deutsche Unternehmen mehr als drei Milliarden Bleistifte im Jahr, die meisten davon sind lackiert.

    Geschützt, gestylt und griffig

    Wozu dient die Lackierung eigentlich? Sie versiegelt die Oberfläche und schützt in erster Linie das Holz dauerhaft vor Verschmutzung und Feuchtigkeit. Ohne die Lackschicht könnte es schnell aufweichen – der Bleistift wäre dann nicht mehr verwendbar. Darüber hinaus verbessert die Lackierung die Haptik des Schreibgeräts. Denn durch den glatten Überzug wird der Bleistift griffiger - und liegt einfach besser in der Hand.

    Nicht zuletzt setzt die Lackierung auch optische Akzente. Mittlerweile gibt es auch bei Bleistiften eine Vielzahl von Designs: von der klassischen einfarbigen Variante über extravagante Metallic-Ausführungen bis hin zu knallbunten Dekors und schrillen Neontönen. Die Optik entscheidet wesentlich darüber, zu welchem Schreibgerät man schließlich greift. So spielt die Lackierung auch für die Vermarktung eine bedeutende Rolle: Denn sie prägt den Charakter des Stifts und kommt dem unterschiedlichen Geschmack seiner Benutzer entgegen.

    Knabbern am Bleistift – ist das schädlich?

    Fast jeder kennt die Angewohnheit, gedankenverloren auf einem Bleistift herum zu kauen. Kann man das bedenkenlos tun? Die Lacke, mit denen heute in Deutschland Bleistifte lackiert werden, sind gesundheitlich unbedenklich. Die deutschen Hersteller benutzen seit den 1990er Jahren Lacke auf Wasserbasis. Für ihre Herstellung und Applikation wird Wasser als Dispergier- und Verdünnungsmittel verwendet. Aber auch die Lacke, die mit Lösemitteln hergestellt werden, stellen keine Gefährdung dar, knabbern am Bleistift ist deshalb erlaubt.

    Verbraucher, die ganz sicher gehen wollen, sollten - gerade beim Kauf von ausländischen Produkten - auf die die EU-Norm DIN EN 71 achten. Diese Norm setzt Richtwerte und garantiert, dass die Stifte frei von Schadstoffen sind.

    Ein spezielles Lackierverfahren

    Bleistifte werden heute in der industriellen Produktion im sogenannten Durchstoßverfahren lackiert. Diese Methode wird nur bei glatten, gleichmäßig dicken Gegenständen angewendet, beispielsweise auch bei Drähten, Stäben und Latten. Der Vorteil dieser Methode: Sie gewährleistet eine erstklassige, vollkommen gleichmäßige und politurartige Lackoberfläche.
    Dabei wird der Rohbleistift in einen rohrartigen, mit Lack gefüllten Behälter geschossen, der exakt seinem Umfang angepasst ist. Während der Stift diesen Behälter passiert, wird von der Seite eine hauchdünne Lackschicht aufgebracht. Beim Ausstoßen des lackierten Werkstücks wiederum wird überschüssiger Lack abgestreift. Etwa 100.000 Stifte kann ein großer Industriebetrieb heute auf diese Weise am Tag lackieren.

    In mehreren Schichten zum optimalen Ergebnis

    Damit der Bleistift eine makellose Oberfläche erhält, sind mehrere Lackierungen notwendig. Wie viele Schichten aufgetragen werden, hängt auch von der Farbe ab: Helle Farbtöne erfordern mehr Schichten als dunkle – manchmal bis zu sieben. Die schichtweise, hauchdünne Applikation hat auch einen handfesten praktischen Grund: Sie verhindert, dass der Überzug beim Spitzen des Bleistifts „abplatzt“ – genau das wäre bei einer einzigen dickeren Lackierung der Fall. Dabei ist die Lackmenge pro Stift minimal und beträgt weniger als 1 Gramm.
    Teilweise wird neben bunten Lacken zusätzlich eine hochglänzende, transparente Beschichtung aufgetragen. Und manchmal erhält die Stiftkappe auch noch eine Sonderbehandlung, die man in der Bleistiftmachersprache „Tauchkappe“ nennt: Sie wird in ein Lackbad eingetaucht. Damit wirkt das Schreibwerkzeug optisch besonders „abgerundet“.

    Tradition, die Zukunft hat

    Der Bleistift, so viel ist sicher, wird auch im Internetzeitalter ein viel verwendeter Gegenstand bleiben. Lackierungen tragen dazu bei, dass er mit frischen Farben und trendigen Designs stets auf der Höhe der Zeit bleibt. Das dürfte einer von vielen Gründen sein, warum der „Schreib-Klassiker“ garantiert auch künftig nicht aus der Mode kommen wird.

    • Blättern Sie durch die 16. Ausgabe unseres Magazins "Wir sind Farbe" und erfahren Sie unter anderem, wie ich der Ukraine-Konflikt auf die Lackindustrie auswirkt, der Green Deal der EU die Unternehmen beansprucht und welchen Beitrag Farben und Lacke für die Energiewende leisten.

    • Auf der Website der Fachgruppe Putz & Dekor erfährt der Interessierte alles über Fassaden- und Innenputze erhält einen umfassenden Überblick über die Produkte, ihre Zusammensetzungen und Qualitäten sowie Verarbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten.

    • Erfahren Sie in unserem Faltblatt alles über die laufenden Projekte, mit denen das DLI die Öffentlichkeit über die Bedeutung von Lacken und Farben informiert. Das geht jeden an. Ob es sich um unsere Kampagne #LebeFarbe handelt oder ob es um harte Fakten zum umstrittenen Thema Titandioxid geht. Sie erhalten einen Überblick über unserere Publikationen zu wichtigen Themen und Marktentwicklungen, und nicht zuletzt informieren wir Sie über die zahlreichen Veranstaltungen und Forschungsprojekte, an denen wir teilnehmen oder die wir selbst initiieren.